|
1.Taekwondo
Tae Kwon Do ist eine koreanische Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung.
Sie hat sich in Korea über einen Zeitraum von 2000 Jahren entwickelt. Mit fortschreitender Zivilisation bildete sich mehr und mehr die sportliche Komponente dieser Kampfkunst heraus und heutzutage ist TKD u.a. ein
moderner Wettkampfsport, der auch auf internationaler Ebene sehr bekannt geworden ist. In Deutschland wurde TKD ca. 1965 eingeführt und hat hier bereits sehr viele Anhänger gefunden. Das Prinzip dieser Sportart
lässt sich am besten durch das Wort selbst erklären:
TAE
Bedeutet soviel wie mit dem Fuß springen, stoßen und schlagen.
KWON
(wörtlich Faust) bedeutet verschiedene Handtechniken zur Abwehr eines Angriffs und für einen eigenen Gegenangriff anzuwenden.
DO
bedeutet wörtlich übersetzt Weg. Gemeint ist damit die technische und geistige Entwicklung, die
der TKD Schüler auf seinem Weg zum TKD Meister durchläuft. „DO" bezieht sich daher nicht nur auf das Erlernen von Techniken, sondern auch auf die geistige Haltung des Schülers. Der Begriff umfasst z.B.
Disziplin, Selbstbeherrschung, Toleranz, Bescheidenheit, Fairness, also das Erlernen von Eigenschaften, die zur Entwicklung des menschlichen Charakters beitragen. Das wichtigste Merkmal des TKD ist
daher der Gebrauch der bloßen Hände und Füße, um einen Angreifer abzuwehren, wobei der TKD Kämpfer im Training lernt, dass weder unnötige Gewaltanwendung noch unfairer Angriff nötig sind. Durch die Kunst der
Selbstverteidigung wird der Kämpfer stärker gegenüber dem Stärkeren und gleichzeitig flexibler gegenüber dem Schwächeren. TKD trägt zur Selbstkultivierung, Weiterentwicklung von Gerechtigkeitssinn und Großzügigkeit
des Einzelnen bei. TKD ist also ein moderner Sport, der den ganzen Menschen fördert und einen bedeutenden Anteil in der Persönlichkeitsentwicklung einnimmt.
2. Historische Entwicklung
Wie jede andere Kampfsportart hat sich das TKD seit frühester
Zeit primär aus dem Selbstverteidigungsinstinkt und Selbsterhaltungstrieb des Menschen entwickelt. Hierbei entwickelten sie Techniken zur wirksamen Abwehr verschiedener Angreifer, die durch die dauernde Praxis und
Erfahrung fortlaufend erneuert wurden.
Die Wurzeln des TKD reichen in Korea bis ins vierte Jahrhundert n. Chr. zurück, als die koreanische Halbinsel in die drei Königreiche Koguryo, Paekche und Silla
aufgeteilt war. Aus dieser Zeit entdeckten Archäologen im Jahre 1935 Deckengemälde, Grabmäler und Aufzeichnungen, die auf das heutige TKD hindeuten. Die Deckengemälde fand man in zwei Mausoleen aus der damaligen
Koguryo - Dynastie, die vermutlich in der Zeit zwischen 300 und 427 n.Chr. erbaut wurden. Auf diesen Deckengemälden sind Männer dargestellt, die sich in einer Kampfhaltung, ähnlich der des heutigen TKD
gegenüberstehen. Silla, das kleinste der drei Königreiche, hatte unter den ständigen Überfällen und Belästigungen seiner beiden Nachbarreiche im Norden und Westen zu leiden. Deshalb wurde vom 24. König der Silla -
Dynastie Chin Hung eine Elitetruppe, die sich Hwarangdo nannte (wörtlich „Weg der erblühenden Jugend") ins Leben gerufen. Diese Kriegskorps übten sich nicht nur in den üblichen Waffen, wie Speer, Bogen oder
Schwert, sondern auch in geistiger und körperlicher Disziplin und in der Kunst des Hand und Fußkampfes. Die Hwarangdo wurden auf der ganzen Halbinsel für ihren Mut und ihr Kampfgeschick bekannt und erwarben sogar
den Respekt ihrer erbittertsten Feinde. Durch ihre Heldentaten verhalfen sie dem Volk von Silla dazu, sich zu erheben und die Auseinandersetzung mit Koguryo im Jahre 668 n.Chr. zu gewinnen. Die beiden Nachbarländer
wurden dem Sill - Reich einverleibt, wobei aber keine Besetzung oder Unterjochung von Koguryo oder Paekche stattfand.
In der nachfolgenden Koryo - Dynastie wurde TKD, unter der damaligen Bezeichnung
„Soobak", als eine Militärkunst von hohen Werten angesehen. Jedes Jahr ließ der König Soobak Wettkämpfe veranstalten und die Gewinner erhielten darauf einen bedeutenden Posten in der Regierung. In der
Anschließenden Periode der Yi - Dynastie (1392 bis 1905) wurde ein Buch veröffentlicht, um diesen Sport unter dem Volk zu verbreiten. Tatsächlich erlangte Soobak durch die Veröffentlichung dieses Buches große
Popularität, wogegen in der Koryo - Dynastie Soobak gewissermaßen auf dem Militärsektor beschränkt war.
Zu Beginn der Aufklärung wurde alles, was mit Militär zu tun hatte, abgewertet und folglich verlor auch
die waffenlose Kampfkunst an Bedeutung. Gegen Ende der Yi - Dynastie um 1905 schienen die kriegerischen Künste fast ausgestorben zu sein und Soobak verwandelte sich in eine Freizeittätigkeit des einfachen Volkes.
Während der Yi - Dynastie wurde der Name der waffenlosen Kampfkunst in Korea auf Befehl des Königs von Soobak in Taekyon umbenannt. Während der japanischen Besetzung Koreas von 1909 bis 1945 war die Ausübung aller
kriegerischen Künste verboten und die koreanische Kampfkunst schien auszusterben. Von einigen Unerschütterten wurde Taekyon jedoch heimlich praktiziert und an eine kleine Auswahl von Schülern weitergegeben, wodurch
die Kunst am Leben erhalten werden konnte.
Nach der Befreiung Koreas im Jahre 1945 bemühten sich die Koreaner den traditionellen Sport neu zu beleben. Im Jahre 1955 wurde einem Ausschuss bestehend aus
Lehrern, Historikern und anderen bekannten Persönlichkeiten der Name Tae Kwon Do als neue Bezeichnung für die nationale Kampfkunst gewählt. TKD verbreitete sich sehr schnell sowohl unter der Zivilbevölkerung als
auch im Militär. Während des Koreakrieges als US-Soldaten in Korea stationiert waren, wurden auch Amerikaner in TKD unterrichtet. Dadurch konnte TKD in begrenztem Umfang auch in den Vereinigten Staaten bekannt
werden.
Der eigentliche Durchbruch in Bezug auf das weltweite Bekanntwerden, erfolgte aber erst durch den Einsatz des TKD im Vietnamkrieg. In Vietnam kämpften drei Infanterie-Divisionen auf Seiten des
Südvietnams. Diese drei Divisionen waren speziell in TKD ausgebildet, da in den dichten Wäldern aufgrund der sehr beschränkten Sicht mit Schusswaffen fast nichts auszurichten war, und aus dem Unterholz ständig
Angreifer auftauchen konnten, war TKD ein sehr nützliches und wirksames Mittel. Nachdem die Wirksamkeit des TKD unter Beweis gestellt war, forderten auch die südvietnamesische und die amerikanische Armee koreanische
Spezialisten zur Ausbildung ihrer eigenen Truppen in TKD an.
Mit der Zeit versuchten die koreanischen Trainer die TKD -Techniken mehr in Richtung sportlichen Wettkampf mit eigenen Wettkampfregeln zu
entwickeln, um eine internationale Popularität zu erzielen. Derzeit sind über 3000 koreanische Lehrer in mehr als 110 Ländern tätig. Im Mai 1973 fanden die ersten TKD -Weltmeisterschaften statt, an denen 19 Nationen
teilnahmen. Daraufhin wurde drei Tage später am 28.Mai 1973 die World TKD - Föderation (WTF) gegründet und Dr. Un Yong Kim, der heute der Vizepräsident des IOC ist, zu deren Präsident gewählt. Bis heute fanden zehn
Weltmeisterschaften statt und die Anzahl der daran teilnehmenden Nationen stieg stetig. Zur Sommerolympiade 1988 in Seoul in Korea war TKD zum ersten Mal Demonstrationssport. Auch 1992 in Barcelona ist TKD nochmals
in gleicher Weise in das olympische Programm aufgenommen worden. TKD hat sich über zwei Jahrtausende hinweg in engem Zusammenhang mit der koreanischen Geschichte entwickelt und erfreut sich weltweit großer
Beliebtheit.
3. Geistiger Hintergrund
Trotz der
Versportlichung des TKD, die in den letzten 25 Jahren stattgefunden hat, liegt dem TKD aber nach wie vor der Verteidigungsgedanke im Vordergrund. Erst daraus ergeben sich für den Übenden größere Erweiterungen im
geistigen Bereich. Das Ziel ist jedoch nicht allein das Erlernen der Körperlichen Technik. Genauso wichtig ist dabei auch die geistige Komponente. Durch das Training wird das Bewusstsein der neuen eigenen
Fertigkeiten, das Vertrauen in seine eigene Stärke und die Selbstsicherheit erzeugt. Es wird in diesem Zusammenhang oft der Einwand erhoben, dass Schüler die im TKD - Training neu erworbenen Fähigkeiten missbrauchen
könnten.
Dem ist aber folgendes entgegenzuhalten. Den Schülern, die zunächst nicht mit immer edlen Absichten das Training besuchen, um beispielsweise das Schlägern zu lernen oder versuchen ihre aufgestaute
Wut und Aggressivität an einem Schwächeren auszulassen, wird dazu nicht die geringste Chance gelassen. Diese Schüler erhalten während des Trainings vom Lehrer einen Partner zugeteilt, der ihnen mindestens ebenbürtig
ist. Ein solcher Partner wird sich dann gegen versuchte Aggressionen zur Wehr setzen. In der Regel passen sich dann auch Aggressive Schüler den Gepflogenheiten des Unterrichts an. Zum anderen sind Kämpfer, die das
TKD tatsächlich wirksam zur Verteidigung einsetzen können, durch eine lange und schwierige Schulung gegangen. In dieser Schulung wird schon allein durch die Art des Trainings Respekt vor den Mitmenschen und damit
eine psychische Hemmung vor unberechtigtem Einsatz der erlernten Technik erzeugt. Durch den Besuch der Übungsstunden wird ein solcher Schüler ganz automatisch zur Anpassung an die Umwelt und an seine Mitmenschen
erzogen. Dies geschieht jedoch freiwillig und basiert auf der Einsichts- und Lernfähigkeit des Einzelnen, da niemand zur Teilnahme am Training gezwungen werden kann. Das Selbstvertrauen, insbesondere aber im
Hinblick auf die eigenen Fähigkeiten und den Umgang mit anderen Menschen, soll umfassend gefördert werden. Wenn hierbei gewisse Fortschritte erzielt werden stellen sich automatisch andere Eigenschaften ein, die
bekannterweise aus einem solchen berechtigten Selbstvertrauen entstehen.
Solche Eigenschaften wären beispielsweise Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbstbeherrschung, Mut, Geduld, Aufrichtigkeit und vieles mehr. Dies sind u.a. die erklärten Ziele des TKD, den Weg, diese Ziele zu
erreichen, stellt im TKD das Training dar. Dieser Weg wird im Koreanischen „DO" genannt und ist im Wort Tae Kwon Do enthalten. „DO" kann auch als Lebensrichtung oder Lebensphilosophie des/der TKD
Mannes/Frau übersetzt werden. Zunächst ist für die Ausbildung der geistigen Komponente des Schülers wichtig, dass er die Techniken in Bezug auf Ausführung, Anwendung und Auswirkung versteht. Dies kann einerseits nur
durch genaues Erklären des Lehrers und andererseits nur durch aktives konzentriertes Mitdenken des Schülers erreicht werden. Ohne dieses Grundverständnis, sind technischer Fortschritt sowie wirksamer Einsatz des
Erlernten von vornherein ausgeschlossen. Hierin unterscheidet sich das Lernsystem des TKD nicht von anderen Fachbereichen der Schule bzw. Sportarten. Zunächst muss der neue Lernstoff genau erklärt und verstanden
werden, damit er später vom Schüler selbständig in unbekannten Situationen oder Aufgaben zur Lösung von Problemen angewendet werden kann.
Die geistigen und körperlichen Anforderungen sind nach der
Anfangsphase aber nicht beendet, sondern nehmen eher proportional zur Erweiterung der erlernten Fähigkeit zu. Daraus resultiert ein größeres und auch berechtigtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die mit jeder
Übungsstunde erneut verbessert und unter Beweis gestellt werden. Speziell für TKD bzw. Selbstverteidigung allgemein gilt:
Je mehr das Bewusstsein der eigenen Verteidigungsfähigkeit durch regelmäßiges,
sinnvolles und korrektes Training ansteigt, desto mehr wird die Angst vor möglichen Angriffen abnehmen.
Dies kann aber in keinem Fall in einem Schnellkurs erlernt werden, wie es manche Vereine z.B. in
einem zweiwöchigen Selbstverteidigungskurs anbieten, sondern bedarf einer langjährigen Übung und Ausbildung. Es ist auch ein weitverbreiteter Irrtum, dass bei den Kampfkünsten an erster Stelle die Philosophie d.h.
also die Theorie steht. Die Theorie, bzw. Philosophie der Kampfkünste hat sich durch die jahrtausendelange Praxis entwickelt. Am Anfang stand nur das Bedürfnis sich zu verteidigen. Dazu entwickelten sie bestimmte
Techniken, die ständig weitergegeben und verbessert wurden. Mit der Zeit taten sich im TKD, wie auf anderen Gebieten auch (Handwerk, Handel, Wissenschaft, etc.) Spezialisten hervor, die den Mitmenschen auf diesem
ihrem Spezialgebiet, bei weitem überlegen waren. Solche Männer wurden dann als Meister bezeichnet.
Durch die Annahme solcher Interessen als Schüler kam es allmählich zu einem ausgeprägten Lehrer-Schüler
Verhältnis in der Kampfkunst. Auch heute noch sind daher die Lehrer der Kampfsportarten in den asiatischen Ländern hochgeehrte und -geschätzte Persönlichkeiten und stehen gesellschaftlich im hohem Ansehen. Durch die
lange Zeit der Entwicklung und der Entwicklung die Weitergabe von Erfahrungen von Lehrern und Schülern, entwickelte sich die Theorie aus der Praxis und wurde zur Philosophie:
· Stärkung der Willenskraft · Förderung der körperlichen Vitalkraft und Harmonisierung des Lebens · Vermittlung körperlicher Fertigkeit
· Antrieb zu einer fleißigen Grundeinstellung und Förderung des moralischen Verhaltens · Stärkung von Ausdauer, Selbstüberwindung und -beherrschung · Weiterentwicklung von Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn
· Befähigung zum selbständigen Handeln · Förderung von Mut, Geduld und Aufrichtigkeit · Erziehung zur Verantwortung, Ordnung und Hilfsbereitschaft · Stärkung von Zielstrebigkeit und Beharrlichkeit
· Achtung einer höhergestellten Person (Eltern, Lehrer etc.)
Diese Ziele zu erreichen, ist nur durch beharrliches, ausgiebiges und korrektes Training unter Anleitung eines qualifizierten Lehrers möglich. Ein TKD - Lehrer
sollte größtmögliche Qualifikationen auf seinem Fachgebiet sowohl körperlich als auch geistig aufweisen. Gerade aber unqualifizierte Lehrer, die nicht vollständig oder überhaupt nicht ausgebildet sind, richten
größten Schaden auf dem Gebiet des TKD an. Sie tragen zum Verruf der Kampfkünste, vor allem im Westen bei, da hier Herkunft und der wahre Sinn und Zweck der Selbstverteidigung weitgehend unbekannt, bzw. mittlerweile
in Vergessenheit geraten sind. Die Kampfarten können demnach leicht in Verruf geraten, da in der Bevölkerung entweder der Eindruck entsteht, sie seien unwirksam oder lediglich eine Ausbildung für Schlägertypen.
Folglich sollte beim Lernen und Lehren des TKD das wahre Verständnis für diese Kampfkunst und deren Ziele nicht vergessen werden.
4.Technischer Aufbau
Wer die Form nicht erlernt, wird die Kunst nicht erlernen", sagt
ein altes asiatisches Sprichwort, das auf Konfuzius zurückgeht und auch auf das TKD ohne weiteres angewendet werden kann. Dies trifft sowohl für den äußeren Rahmen, in dem das Training stattfindet, als auch für das
Erlernen der TKD - Techniken selbst zu. Die Etikette, die im Übungsraum einzuhalten ist, kann schnell erläutert werden, da sie auf einige wenige, aber für den korrekten Ablauf des Unterrichts und die Erziehung des
Schülers im Sinne des TKD, wichtige Formalitäten beschränkt ist. Beim Betreten der Trainingshalle grüßen alle Schüler die Flaggen, die an der Kopfseite des Übungsraumes angebracht sind. Es sind dies die Fahne des
eigenen Landes und die Flagge Südkoreas, als Referenz an das Ursprungsland des TKD. Auch vor und nach jeder Trainingsstunde verbeugen sich Lehrer und Schüler zur Begrüßung voreinander. Im Training selbst, erfolgt in
gleicher Weise eine Begrüßung vor und nach jeder Partnerübung zwischen den Trainingspartnern. Damit werden Achtung und Respekt vor dem anderen bekundet.
Zu Beginn des Unterrichts stellen sich die Schüler auf Anweisung des Lehrers in geordneten Reihen auf. Das dient nicht etwa einer Art militärischen Drill, sondern
ist zur besseren Übersicht des Ausbilders erforderlich, da später auch in dieser Aufstellung die Techniken trainiert werden und Fehler in der Ausführung durch die Übersichtlichkeit schneller bemerkt und korrigiert
werden können. Es wird grundsätzlich im TKD - Anzug trainiert, der aus einer weißen Jacke, einer knöchellangen weißen Hose und dem Gürtel besteht. Weiterhin ist noch kurz auf das Rangsystem im TKD einzugehen, das
durch die verschiedenen Gürtelfarben gekennzeichnet wird und hauptsächlich zur Einteilung der Schülergruppen für den Unterricht dient. Man unterscheidet zwischen den farbigen Schülergraden („Kup") und den
verschiedenen Stufen des Schwarzen Gürtels(„Dan"). Die Kups sind wie folgt aufgeteilt und werden von zehn ab nach unten gezählt.
|
10. und 9. Kup Weißer Gürtel (Anfänger) 8. und 7. Kup Gelber Gürtel 6. und 5. Kup Grüner Gürtel 4. und 3. Kup Blauer Gürtel 2. und 1. Kup Roter Gürtel
|
Die einzelnen Schülergrade werden durch eine Prüfung erlangt, die etwa alle drei Monate stattfindet und den bis dahin gelernten Stoff zum
Inhalt hat. Von den Kup-Prüfungen sind die Prüfungen der einzelnen Stufen des Schwarzen Gürtels zu unterscheiden. Nach der Prüfung zum
ersten Kup erfolgt nach etwa zwölf Monaten Vorbereitungszeit die Prüfung zum ersten Dan. Es ist auf jeden Fall zu beachten, dass jeder
Anfänger sich das Erlangen des Schwarzen Gürtels als Trainingsziel setzen sollte. Diese Zeit ist erfahrungsgemäß sowohl bei Kindern als
auch bei Erwachsenen durch bis zu drei Motivationstiefphasen geprägt. Überwindet man diese Zeit, die einige Tage andauert, durch intensives
Training, so sind die größten Hindernisse zum Erreichen des ersten Dan beseitigt.
Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass mit dem Erreichen des ersten Dan die Ausbildung abgeschlossen sei. Man hat damit die
Grundausbildung abgeschlossen und kann jetzt mit dem eigentlichen Training, sowohl geistig, als auch körperlich beginnen. Ab diesem
Zeitpunkt ändert sich die Farbe des Schwarzen Gürtels nicht mehr. Es gibt zehn Stufen des schwarzen Gürtels, die im Gegensatz zu den
Kupgraduierungen von unten nach oben, nämlich von eins bis zehn gezählt werden. Erst mit dem Erreichen des 6.Dan kann man als Meister bezeichnet werden.
Zu Beginn jeder Trainingsstunde erfolgt das Aufwärmen durch eine allgemeine Gymnastik, ergänzt durch TKD - Spezialaufwärmübungen.
Danach erfolgt das eigentliche TKD - Training. Zur Basisausbildung gehören die grundlegenden Hand- und Fußtechniken. Es handelt sich
hierbei um Verteidigungs- und Angriffstechniken, die später auf beliebiger Weise miteinander kombiniert werden können. Auf diesen Techniken beruht die gesamte weitere Entwicklung.
Bei den Handtechniken ist zwischen Abwehr- und Angriffstechnik zu unterscheiden. Die Abwehrtechniken werden „Block" genannt. Da man
sich aber gegen einen ernsthaften Angreifer nicht allein durch Blocks verteidigen kann, müssen auch Angriffstechniken erlernt werden, die
man einsetzt, wenn passive Abwehr allein nicht mehr ausreicht. Durch sie kann ein Angreifer kampfunfähig gemacht werden. Beispiele für
Angriffstechniken mit der Hand sind der Fauststoß, der Handkanten- und der Faustrückenschlag. Die Techniken jedoch, die das TKD von
anderen Selbstverteidigungskünsten unterscheiden sind Fußtritte, die als „Kick" bezeichnet werden. Im Gegensatz zu anderen
Kampfsportarten gibt es im TKD mehr Kick-Varianten, und die Ausführung der Kicks erfolgt exakter. Auch gibt es im TKD keine Würfe und
Würgegriffe. Dem zufolge ist die körperliche Größe und das Gewicht für eine effektive Anwendung des TKD nicht ausschlaggebend.
Die Stellungen, Handtechniken und Kicks werden zur Koordinierung all dieser Elemente in festgelegten Formen („Poomse") zusammengefasst
. Bis zum ersten Dan, erlernt der Schüler acht solcher Formen. Die Poomse stellt aber wesentlich mehr dar, als eine bloße
Zusammenfassung von Techniken. Auch Koordination, Beweglichkeit, Atmung, Kondition und Orientierungssinn werden dadurch verbessert.
Die Poomse stellt daher eines der wichtigsten Instrumente zur Beherrschung der TKD - Techniken dar. Es soll hier noch ein wesentlicher
Aspekt des TKD - Trainings angeführt werden. Der Kampfschrei, der jedem bekannt ist, aber oftmals von Laien nicht verstanden wird, steht mit
der Atmung in enger Verbindung. Der Kampfschrei wird hauptsächlich bei Angriffstechniken ausgeführt. Er erfolgt beim Ausatmen durch
zusammenpressen des Zwerchfells und entsteht folglich im Unterbauch und nicht etwa im Kehlkopf. Hierdurch wird zum einen die
konzentrierte Kraft nochmals verstärkt. Zum anderen sind auch die geistigen Auswirkungen nicht zu unterschätzen.
Der Kampfschrei hat dem gemäß folgende Funktionen:
Erstens dient er während eines anstrengenden Trainings zur eigenen Motivation.
Zweitens kann ein Gegner im Kampf dadurch stark in seiner Konzentration beeinträchtigt oder sogar eingeschüchtert werden.
Die bisher beschriebenen Techniken können aber zur Verteidigung nur wirksam eingesetzt werden, wenn man sie auch mit einem Partner
einübt. Die fortgeschrittenste Form der Partnerübung stellt der sogenannte Feikampf dar. Hier kommen alle erlernten Techniken ohne
Absprache mit dem Partner in beliebiger Reihenfolge und je nach Situation zur Anwendung. Beim Freikampf muss man sich deshalb ständig
auf die Aktionen des Partners einstellen und entsprechend reagieren. Da beim Freikampf Körperkontakt erlaubt ist, trägt man um möglichen
Verletzungen vorzubeugen, Schutzwesten, Unterarm- und Schienbeinschoner. Bei Wettkampfveranstaltungen sind zusätzlich Kopfschutz und
Unterleibschutz vorgeschrieben. Der Freikampf für Anfänger wird nur mit leichtem Kontakt durchgeführt. Durch diese Schutzmaßnahmen
sowie im Training, als auch im Wettkampf ist das Verletzungsrisiko im TKD sogar geringer als bei anderen Sportarten wie z.B. Fußball oder Handball.
Zur Einübung der beschriebenen Techniken gibt es verschiedene Hilfsmittel, die auch für den Anfänger hilfreich sind:
Sandsäcke werden verwendet um Übungen, Kicks und Schläge mit härterem Kontakt ausführen zu können.
Im Training werden auch gepolsterte Handschlagkissen aus Leder oder Kunststoff verwendet, die ungefähr handtellergroß sind. Diese werden
von einem Partner gehalten, während der andere mit voller Kraft und Geschwindigkeit Schläge mit Hand oder Fuß darauf ausführen kann. Dies soll der Zielgenauigkeit und dem Kontaktgefühl dienen.
Wir hoffen, dass wir mit diesem kurzen Einblick in die Sportart Taekwondo Ihr Interesse geweckt haben und freuen uns auf Ihren Besuch.
|